zweitonwerk - der Musikunterricht

Was gibt es zum Musikunterricht zu sagen?

Der Musikunterricht hat das Ziel, dem Schüler einen Kontakt zur Musik zu vermitteln.
Dabei stellt sich natürlich sofort die Frage, was ist Musik überhaupt?

Ich glaube, dass Musik etwas sehr menschliches ist.

Unsere Musik ist so wie sie ist, weil wir Menschen so sind wie wir sind.
Wir haben uns unsere Musik so gemacht, wie wir sie brauchen und wie sie uns etwas bedeutet. Ja, sie kann uns etwas bedeuten, sie kann uns etwas über uns sagen. Sie spiegelt wieder, wie wir unsere Umwelt in Bezug auf Klänge wahrnehmen.

Das Grundverständnis ist uns also schon in die Wiege gelegt worden. Aber um sie auch auszuüben und weiterzugeben, sie zum Leben zu erwecken, müssen wir auch ihre innere Logik, ihre Grammatik verstehen. Vieles erschließt sich in der Musik durch Hörgewohnheiten selbst, aber wenn man Musik machen will, muss man sich mit ihren Gesetzmäßigkeiten auseinandersetzen. Und da die Musik so ist, wie wir sie gemacht haben, wie wir sie verstehen, müssen wir uns dabei auch zwangsläufig mit uns selbst auseinandersetzen. Wir müssen beim Tun die Phänomene deuten, sie für uns in dem Moment bewerten und zur Not auch korrigieren. Wenn wir nicht korrigieren müssen, dann können wir genießen, wir machen etwas richtig, es hat eine Bedeutung für uns!

Und Musik ist etwas sehr Spontanes. Man kann Sie nur fixieren, indem man sie aufnimmt, aber für den Spieler ist jeder Schritt in einem Musikstück immer z.T. bekannte Welt, aber durch kleine Veränderungen auch immer wieder neu. Und das muss auch so sein, denn sonst wird es langweilig.

Musikerziehung ist also auch eine Erziehung zur kritischen Spontaneität, die als Ziel den Genuss beinhaltet.
Der Genuss aber stellt sich nur durch ehrliches Hinterfragen des Getanen ein.

Und der Genuss ist die möglichst vollkommene Verbindung vieler Komponenten.
Dazu gehören in der Musik die Melodik, die Harmonik, die Rhythmik, die Form und als wesentlicher Teil auch die Konstitution des Musikschaffenden.

Immer und immer wieder wird die Frage in mir laut, ob das, was ich tue auch richtig ist.
Früher habe ich dabei meinen Lehrern vertraut, habe vieles Gute gelernt, denke über so manches aber heute auch anders als sie. Die Musik steht für mich heute nicht mehr über mir, eine Anforderung, die erfüllt werden muss, sondern sie steht mir als guter Freund zur Seite, hilft mir, gut durchs Leben zu kommen.

Sie ist eine Anforderung, die ich erfüllen darf! Hört sich pathetisch an, ist es aber nicht.
Musik kann und sollte meiner Meinung nach einfach nur gut tun. Ich spiele lieber ein leichteres Stück, was ich voll und ganz ausfüllen, begreifen und bewältigen kann, als eines, wo ich nur die Spitze des Eisberges vermute. Wenn es dann klappt habe ich Lohn genug - nämlich die Freude.

Nur zu sagen, wie ich es früher getan habe, ich habe es geschafft, reicht mir heute nicht mehr. Ich möchte nach dem Tun mehr sein als vorher, und nicht weniger. Ich möchte mich körperlich besser fühlen, ich möchte etwas gesehen, verstanden haben, und mich im Tun frei fühlen.

Meine Erfahrung mit der Musik lehrt mich, dass Schwierigkeiten mit dem Instrument oder der Musik, die mir wirklich auch körperlich weh getan haben, sich durch den besonnenen und ehrlichen Umgang mit ihnen und somit auch mit mir selbst, in eine Freude und ein gutes Gefühl umwandeln lassen, wenn man bestimmte Regeln befolgt.

Und die allerwichtigste Regel für mich persönlich lautet:

Mach das, was du tust so wie du es kannst. Nicht mehr, und nicht weniger!

Um sich zu entwickeln muss man natürlich auch mal Grenzen überschreiten, auch persönliche.
Ich glaube allerdings, dass man dabei vorsichtig sein muss, und das die Grenzüberschreitung nur so weit sein darf, wie sie von Erfolg gekrönt ist. Grenzüberschreitung darf keinen so großen Frust aufkommen lassen, dass man danach nichts mehr tun möchte. Stellt sich der Erfolg nicht ein, muss ich etwas anders machen, zurückgehen, von vorne anfangen. Und dazu muss man sehr ehrlich mit sich sein.

Ich bin sehr froh, dass es Menschen gibt, wie z.B. Maria Montessori, Moshé Feldenkrais oder Mihaly Csikszentmihalyi, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben.
Sie finden Bücher von Ihnen in meiner Literaturliste.

Abschließend möchte ich nun noch zum meinem persönlichen Musikunterricht sagen, dass ich es als meine Aufgabe betrachte, jeden Schüler auf seinem persönlichen Niveau so zu betreuen, dass sich langfristig eine ruhige Sicherheit in Bezug auf die Musik einstellt. Das heißt natürlich nicht, dass wir nur langsame Stücke spielen. Gott bewahre!

Aber es heißt, das jeder so spielt, wie er kann, wie er hört, wie er sieht, wie er (oder natürlich auch wie sie) seine Musik schön findet. Und das kann sehr unterschiedlich sein!Und manchmal ist das, was für den einen schön scheint, für den anderen scheinbar hässlich!!

Freundlicherweise ist die menschliche Wahrnehmung auch bei verschiedenen Individuen doch so gleich, dass dieser Fall nicht so häufig vorkommt. Für mich als Lehrer heißt das, das ich es sehr gut aushalten kann, was meine Schüler im Unterricht zeigen. Dies allerdings auch nur so lange, wie sie sich wohlfühlen und sie wissen, was sie tun.
Ich habe als Lehrer ein gesundes Interesse daran, meine Schüler zwar zu fordern, denn ohne Entwicklung wird die Musik wie alle anderen Tätigkeiten auch, langweilig. Eine Überforderung spüre ich allerdings so wie der Schüler selbst am eigenen Leibe. Und so bin ich als Lehrer wie ein Indikator. Meine Empfindungen und Wahrnehmungen spiegeln in großem Maße die Befindlichkeiten des Schülers wieder und dienen mir somit als diagnostisches Instrument im Musikunterricht.

Meine Aufgabe im Musikunterricht ist es, den Horizont des Wahrgenommenen zu erweitern. Die Aufgabe des Schülers ist es, sich darauf einzulassen, und zu versuchen, die Inhalte zu begreifen. Das beinhaltet allerdings auch ein aktives Hinterfragen des Gelernten, denn das fördert die Präzision in der Komunikation zwischen Schüler und Lehrer!

Es gilt: Ein jeder wie er mag, wenn er es denn mag!

Und nun zu den Einzelheiten des Musikunterrichts in Bezug auf die verschiedenen Instrumente.
Denn so wie die Musik ihre eigenen Regeln hat, haben die verschiedenen Instrumente, so wie die einzelnen Menschen, auch ihre Eigenheiten. Und darauf möchte ich im Folgenden eingehen.
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