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5. Hauptteil

5. Zusammenfassung

 

Die Montessori - Pädagogik basiert auf verschiedenen Grundannahmen, ohne die die Arbeit mit den speziellen Arbeitsmaterialien keinen Sinn macht! Denn nur in einer Umgebung, in der das Kind sich frei fühlt, die auf das Kind zugeschnitten ist, wird das Kind sich freiwillig mit bestimmten Arbeitsmaterialien beschäftigen. Das Schaffen dieses "vorbereiteten Raumes" ist die erste Bedingung für eine erfolgversprechende Anwendung weiterer Inhalte der Montessori - Pädagogik. Da der instrumentale Anfangsunterricht in der Regel auf "freiwilliger Basis" stattfindet, und die vorrangigste Bedingung die Freude an der Beschäftigung mit Musik ist, das reine Leistungsdenken, zumindest in meiner Unterrichtspraxis, immer mehr in den Hintergrund rückt, halte ich das Schaffen dieses Raumes, wenn auch nicht örtlich - räumlich, sondern eher ideell, für durchaus möglich. In den Musikstunden kann der Lehrer ohne weiteres eine freie Arbeitsathmosphäre schaffen, in der sich das Kind aktiv einbringen kann. Nach Absprache mit den Eltern kann auch das selbstständige Üben des Kindes zu Hause in eben dieser Freiheit stattfinden. Es ist relativ leicht, dem Kind einen Überaum zu schaffen, in dem es sich ungestört mit Musik beschäftigen kann, ohne das seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge gelenkt wird.

 

Das Prinzip der "freien Wahl" kann ebenfalls erfüllt werden, wenn man dem Kind einräumt selbst zu entscheiden, wann und wie lange es sich mit Musik beschäftigen will.

 

Mag es dem einen oder anderen auch sonderbar erscheinen, aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, daß Kinder sich sehr wohl, auch ohne ständigen Druck des Lehrers oder der Eltern, freiwillig und gerne mit Musik beschäftigen. Und welche Eltern freuen sich nicht, wenn ihr Kind freiwillig musiziert, und sie es nicht ständig zum Üben auffordern müssen!

Ist diese Voraussetzung geschaffen, so liegt es beim Lehrer, die anfängliche Motivation, die jeder Anfangsschüler mitbringt, zu erhalten.

Aufgrund der großen Ähnlichkeit von Mathematik und Schrift zum musikalischen Material, halte ich eine Aufarbeitung des musikalischen Materials im Sinne Montessoris, wie ich es in Kapitel 4 dieser Arbeit zunächst auf allgemeiner Ebene versucht habe, für durchaus erfolgversprechend! Die Musiktheorie liefert uns Begriffe, die für die Gliederung des musikalischen Materials unbedingt nötig sind. Nur das Erkennen von Ordnungsprinzipien~ die sich klar als inneres Bild im Schüler ausbilden, regt unmittelbar zur Handlung an, wie auch die neuropsychologischen Betrachtungen Alexander Lurijas deutlich machen. Auch Maria Montessori stellt das Erkennen vor die Handlung. Allerdings ist nicht nur das visuelle Erkennen von Bedeutung, sondern auch das Erkennen der Beziehung des Lernenden zum Unterrichtsmaterial. Die praktische Umsetzung des visuell Erkannten ist daher von großer Bedeutung.

 

Wie wir in Kapitel 2 dieser Arbeit gesehen haben, werden auf der Ebene der zweiten funktionellen Einheit des Gehirns alle Außenreize, die auf den Menschen "einprasseln", zu Begriffen verschaltet, die die Bedeutung der Gesamtheit der Außenreize zusammenfassen. Begriff und Empfindung hängen also unmittelbar voneinander ab. Die Empfindung aber ist unmittelbar an die Handlung gebunden, so daß Wort und Tat eine wichtige Beziehung ein gehen. Aus der Tat werden über die sie begleitenden Empfindungen Begriffe geformt, die wieder zu neuer Handlung anregen. Dieser Kreislauf der Aktivität, der den optimalen kortikalen Tonus im Gehirn aufrechterhält, darf somit nicht unterbrochen werden. Wird er unterbrochen, erlischt auch die Aktivität im Menschen.

 

Für den instrumentalen Anfangsunterricht sind die musikalischen Begriffe also von großer Bedeutung, da sie die Aktivität der Handlung wieder bündeln, und neu in Aktivität übergehen lassen. Diese Bedeutung erlangen die musikalischen Begriffe aber nur, solange sie mit dem Musikerleben des Schülers in direktem Kontakt stehen. Entscheidend ist also, wann welcher Begriff im Anfangsunterricht eingeführt wird.

 

Die Pädagogik Maria Montessoris bietet dem Musikpädagogen eine Unzahl von Anregungen, das Material "Musik" kindgerecht aufzuarbeiten, und somit auch die beschreibenden Begriffe sinnvoll anzubringen.

 

Die Grundannahmen Maria Montessoris und ihrer Pädagogik verbinden, in Bezug auf das musikalische Lernen, die Theorie mit der Praxis in erfolgversprechender Weise! Die jahrhundertelange Trennung von Theorie und Praxis könnte durch die Anwendung der Montessori - Pädagogik vielleicht endlich aufgehoben werden.

 

Der denkende Mensch kann endlich auch handeln, der handelnde ist in der Lage, sein Tun zu reflektieren!

 

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